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Im Juni 1962 setzte sich ein aus Sternfreunden zusammengesetztes Initiativkommitee zum Ziel, ein geeignetes Gelände zur Errichtung einer Sternwarte zu suchen. Der Standort sollte möglichst über der durchschnittlichen Dunstgrenze liegen, wenig von Störlichtern umliegender Dörfer und Städte beeinflusst sein sowie gut und rasch erreichbar sein. Nach einigen Jurawanderungen wurde im Frühling 1964 mit der Gemeinde Sulz zur Erwerbung eines Stücks Land auf dem Grundboden des Gebietes Cheisacher Kontakt aufgenommen.

Nachdem die Ortsbürgergemeinde ihre Zustimmung gegeben hatte, konnte am 13. November 1965 ein Kaufvertrag abgeschlossen werden. Das erworbene Land umfasste 2770 m2, kostete 2.50 Fr./m2 und es unterlag bis anhin speziellen Auflagen von Natur- und Landschaftsschutz. Nur die Schreibweise des Namens blieb unklar: Cheisacker steht in den Statuten, Kreisacker steht im Grundbuchauszug von 1986 und auf den Karten des Bundesamtes für Landestopografie steht Cheisacher. Weitere Varianten sind Kreisacher, Chaisacker und Cheisacher. Auch wenn die Landestopografen die Schreibweise wieder geändert haben, wird vereinsintern bis auf weiteres der Name "Cheisacher" verwendet.

Die Sternwarte wurde in Fronarbeit von Mitgliedern verschiedenster Berufsgattungen errichtet. Nach einer Bauzeit von einigen Monaten konnten gegen Ende 1966 die ersten Beobachtungen mit einem Fernrohr des Typs Cassegrain gemacht werden, das mit einen Durchmesser des Hauptspiegels von 50 cm seinerzeit das grösste, private Instrument der Schweiz war.

1977 wurden im Kreise der Sternwartenbenützer Stimmen laut, man möge den bisher allzu lose organisierten Sternguckerbetrieb etwas straffen. Ein Statutenentwurf lag schon seit 1965 vor, aber erst am 30. August 1978 wurde ein strukturierter Verein gemäss ZGB gegründet. Die Vereinigung bestand aus 8 Gründungsmitgliedern: Walter Bohnenblust, Hauptinitiant aus Baden, Ernst Strasser, Hauptinvestor aus Brugg, Eugen Aeppli, Fernrohrbauer aus Adlikon, Heinrich Forster aus Gebenstorf, Albert Schnopp aus Wettingen, Helmut Eggeling aus Ennetturgi, Herwin Ziegler aus Nussbaumen und Hans Theodor Auerbach aus Gebenstorf.

Anfangs wurde der Verein von Ernst Strasser präsidiert. Der Gründung folgte Ende der 70-erjahre der grösste Mitgliederzuwachs der Vereinsgeschichte: Markus Lutz und Helen Wider traten 1978 bei. Ihnen folgten 1979 Urs Bircher, Hugo Blickisdorf, Max Frauchiger, Rudolf Zubler sowie die ersten Jungmitglieder Beat Booz, Bruno Fischer und Thomas Schirmer, und 2 Jahre danach folgte Friedrich Reufer. Diese 10 Mitglieder bildeten die 2. Generation, und mit ihnen verzeichnete die Vereinigung 1981 den höchsten Bestand: 18 Leute zwischen 21- und 72-jährig und allesamt in irgendeiner Art astronomiebegeistert. 1980 übernahm Helen Wider das Präsidium für 10 Jahre. 1990 wurde sie von Bruno Fischer, der diese Amtszeit nochmals verdoppeln sollte, abgelöst. Erst 2010 übernahm Josef Schibli die Vereinsleitung.

Einer der Gründungsmitglieder arbeitete während vieler Jahrzehnte unermüdlich an der Werterhaltung der Anlage: Albert Schnopp. Nebst der Tätigkeit auf Cheisacher engagierte er sich in den norditalienischen Alpen in einer Privatsternwarte. Im Jahre 1998 wurde die Entdeckung einer zu der Zeit über 10'000 aufgefundenen Planetoiden ihm zuerkannt. Zurzeit ist nur noch ein Gründungsmitglied dem Verein erhalten geblieben: Hans-Theodor Auerbach, Jahrgang 1919, der vor wenigen Monaten 90-jährig wurde. Von der 2. Generation gehören zurzeit immerhin noch zirka die Hälfte dem Verein an.

Die Sternwarte Cheisacher ermöglichte den Mitgliedern astronomische Beobachtungsarbeiten. Unter anderem dient sie dem Zweck, die Schönheit und Erhabenheit des gestirnten Himmels, seine Geheimnisse und die Unermesslichkeit des Alls den Anwohnern der umliegender Gemeinden nahe zu bringen. Auch Pionierarbeit wurde auf Cheisacher geleistet: Helmut Eggeling entwickelte die Fotografie mittels Tiefkühlung und erzielte damit eine beachtliche Steigerung der Filmempfindlichkeit.

Im Frühling 1983 wurde die Fernrohroptik des Eigentümers Eugen Aeppli an die Sternwarte Bülach verkauft. Erst zwei Jahre später wurde sie durch eine vereinseigene Optik in derselben Leistungsklasse ersetzt. 2003 wurde unter Leitung von Josef Schibli das Hauptinstrument renoviert und mit moderner Technik samt Computersteuerung ausgestattet. Das Auffinden lichtschwacher Objekte ist seither wesentlich einfacher.

Seit Ende 1983 steht auf dem Gelände Cheisacher eine Messstation zur gezielten Überwachung und Erforschung der Erdbebentätigkeit in der zentralen Nordschweiz. Diese hochempfindliche Anlage bildet den zentralen Teil eines ganzen Netzes und wird vom Schweizerischen Erdbebendienst an der ETH Zürich betrieben. Im Jahre 2000 errichteten die Landestopografen eine Antenne für den GPS-Empfang. Damit soll es möglich sein, Geländeverschiebungen auf Cheisacher im Millimeterbereich messen zu können. 8 Jahre später wurde eine weitere Empfangsantenne errichtet.

Bis heute gilt das Fernrohr auf Cheisacher mit einem Hauptspiegeldurchmesser von 48 cm und einer Brennweite von 5 m immer noch als das grösste Instrument des Kantons Aargau. Im Idealfall erlaubt es eine 500-fache Vergrösserung. Leider ist die Zahl sternklarer Nächte in den letzten 30 Beobachtungsjahren drastisch gesunken, nicht zuletzt wegen der angestiegenen Dunstschicht und der zunehmenden Lichtverschmutzung der städtischen Regionen Limmattal, Brugg und Basel. Tausende von Strassenlaternen und Leuchtreklamen werfen jede Nacht ihr Licht in den Nachthimmel und verunmöglichen dem Sterngucker oft das Aufspüren von Weltraumobjekten, deren eigenes Licht nach einer Reise von mehreren hundert Millionen Jahren den Weg zur Erde gefunden hat, nun aber nicht mehr gesehen werden kann. Insbesondere vermiesen sogenannten Skybeamer den letzten ungetrübten Blick zum Nachthimmel und verunmöglichen fotografische Tätigkeiten. Wirklich gutes Sternguckerwetter ist inzwischen zur absoluten Rarität geworden ist.

Copyright 2012 Sternwarte Cheisacher